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Das schreibt die Presse über uns:

Gekürzte Version Heft Nr.9 / Sep. 2005 - Autor: John Patrick Mikisch SZENE & LEUTE Edel und Western scheinen so gegensätzlich wie Abendkleid und Pommes-Dinner. Trotzdem schließt sich beides nicht aus, wie Dirk Fischer beweist. …Dirk Fischer wohnt auf einem alten Gut und straft das Klischee Lügen, dass Cowboyleben und Eleganz nicht zusammenpassen. Mit seiner Freundin Claudia Birkemeyer betreibt er auf Hof Liebeneck bei Koblenz am Rhein seit Februar eine Reitanlage. Wer entspannt reiten lernen will, ist hier richtig. Wer sich in eleganter Gutshof-Atmosphäre erholen will, auch... …Das ehemals gräfliche Hofgut Liebeneck liegt direkt neben dem gleichnamigen Schloss oberhalb des Rheinstädtchens Osterspai. Blau gegen Grün schnörkelt sich der Strom durch die Landschaft. Flussfrachter und Touristenkähne winden sich mühsam um Kurven, hinter denen irgendwo die Loreley kauert. Weinreben klettern über Berghänge, auf denen sich Burgen und Schlösser wie i-Tüpfelchen reihen... …Dirk Fischer legt Wert darauf, dass sich jeder Normalmensch einen Kurzurlaub oder einen Reitkurs auf seiner zehn Hektar großen Anlage leisten kann. Die Preise im ehemaligen Wirtschaftshof derer von Preuschen sind dem Ambiente angemessen, und man bekommt einiges dafür geboten... Nach dem Gassengewimmel von Osterspai und der langen Anfahrt über staubige Sandwege quer durch weite Felder steht der Besucher unter schattigen Bäumen vor einem alten Holztor. Gleich dahinter liegt das heutige Gästehaus, eine 150 Jahre alte Märchenvilla, die unter der Last wild wuchernden Efeus fast verschwindet. Ein real gewordener Traum... Die Einrichtung ist ein Stilmix aus Alt und Neu. So sieht die Küchenspüle aus wie zu Uromas Zeiten, ... Wer es dort in den gemütlichen Sesseln nicht aushält, lässt sich am Teich des Gästehauses die Sonne auf den Pelz brennen oder sieht im Innenhof Hund Charly und den Liebenecker Pferden beim Dösen zu. Nur das Baumhaus von Tochter Jana ist tabu. Das hölzerne Luftschloss ist das einzige Wohngebäude, dessen Interieur nicht von Claudia Birkemeyer und einer befreundeten Innenarchitektin durchgestylt wurde… Vor rund zehn Jahren tauschte er Wohnlandschaften gegen Westernsattel und übernahm einen Pferdehof im Westerwald. ,, Seitdem sind Beritt und die Rehabilitation von Problempferden, an die sich kein Reitlehrer mehr herantraut, mein Hauptjob“, sagt Fischer. Vom überforderten Reitpferd bis zum Sportcrack, der sich nicht mehr verladen lässt, Fischer hatte sie alle oder zumindest viele. Behauptet er. Zu den Namen seiner Kunden schweigt er jedoch lieber, „aus Diskretion“. Auch sonst macht Fischer wenig Worte. Richtig gesprächig wird er nur, wenn es um die Arbeit mit Pferden geht. „Als Kind hatte ich Todesangst vor Pferden“, erzählt er. Trotzdem begann er mit 13 zu reiten, besaß mit 15 sein erstes Pferd (,‚Asket, ein zwölfjähriges Springpferd“) und ritt für Züchter Jungpferde an. „Vermutlich suchten die damals nur einen Crashtest Dummy“, witzelt er. Als Asket Probleme mit den Beinen bekam, suchte Fischer nach neuen Wegen der Ausbildung. „Ich probierte unsystematisch alles Mögliche“, erzählt er. Offensichtlich mit Erfolg: Asket wurde 26 Jahre alt. Bei seiner Suche stolperte Fischer über US-Trainer wie Pat Parelli. Ray Hunt und die Brüder Elli und Tom Dorance. „Alles Trainer, die versuchen die Dinge aus der Pferdeperspektive zu betrachten“, sagt Fischer. Diese Sichtweise gefällt ihm,….. „Pferdeflüsterer“ wurde er deswegen schon mehr als einmal genannt. Diesen längst abgedroschenen Titel kann er freilich nicht leiden. „Da ist zuviel Pferdeguru drin“, sagt er. Fischer bezeichnet sich lieber als Horseman, sein Ausbildungssystem entsprechend als Natural Horsemanship Training (NHT). Das will Fischer als „ganzheitliche Betrachtung von Pferd und Reiter“ verstanden wissen. Das klingt zwar genauso abgedroschen wie Pferdeflüsterer. Doch wer Fischer zusieht, begreift die reelle Arbeit dahinter. Fischers NHT hat viel mit der Einstellung des Reiters gegenüber dem Pferd zu tun! „Für viele fängt das Pferd doch erst unterm Sattel an. Das sind alles Reitmechaniker, die ihr Pferd auf der Jagd nach Schleifen und Pokalen wie eine Maschine behandeln“, kritisiert Fischer… Pferdegerecht findet Fischer das alles nicht, und deswegen kann man bei ihm auch nicht „einfach mal so“ reiten. „Das tue ich den Gäulen nicht an", sagt der 43-jährige ganz entschieden. Verständlich, schließlich bildet Fischer seine acht Schulpferde - fünf Quarters, zwei Appaloosas, einen Brandenburger selbst aus, bereitet sie sorgfältig auf die Kurse vor und reitet notfalls anschließend Korrektur. Der Aufwand lohnt sich. „Die sind nicht nur auf dem Platz und der Halle sicher, sondern schaukeln selbst Einsteiger sicher durchs Gelände“, lobt Fischer. Dafür verlangt er seinen Kursteilnehmern allerdings einiges ab: Sie müssen sich entspannen; Ego und Ehrgeiz dürfen nicht mit auf den Platz oder in die nagelneue Holzreithalle. „Das fällt einigen Leuten ganz schön schwer“, beobachtete Fischer. Nach ein paar Tagen auf Hof Liebeneck greifen aber auch arbeitssüchtige Manager immer weniger zu Laptop und Handy. „Wenn man selbst entspannt ist, läuft auch das Pferd gleich viel relaxter“, sagt Fischer Deswegen legt er sich auch nicht auf starre Kurszeiten fest. Nur soviel ist klar: Zum Wochenendkurs für Einsteiger gehören vier Übungseinheiten und ein Ausritt durchs Rheintal. „Reiten lernt man schließlich nicht in der Halle, sondern draußen.“ „Ansonsten machen wir hier alles sehr individuell. Wenn die Leute ausschlafen wollen, dann schlafen die halt aus“, sagt Fischer.

Datum: 27.11.1998 - Autor: Ingomar Schwelz DER MIT DEM ROSS SPRICHT Der "Pferdeflüsterer" vom Westerwald: Dirk Fischer kuriert Problempferde und das gestörte Verhältnis von Mensch und Tier. Durchdringend wie ein Hypnotiseur blickt Dirk Fischer in die braunen Augen von "Peppy Luna". Er hebt beide Arme, und die erschrockene Stute galoppiert im Kreis um ihn herum immer an den Gittern des kreisrunden Trainingsplatzes entlang. Keine Zehntelsekunde läßt Fischer seinen Blick von dem imaginären Punkt zwischen den Augen und der Schulter des Tieres. Jetzt beginnt die Stute nervös zu kauen. "Sie signalisiert", erklärt der Pferdetrainer, "daß sie nicht mehr weglaufen will, mich als dominantes Tier akzeptiert und in die Herde aufgenommen werden will. " Fischer senkt die Arme und dreht sich langsam zur Seite. "Peppy Luna" kommt zögernd auf ihn zu und läßt sich bereitwillig die Nüstern streicheln. Dann marschiert Fischer in S-Kurven über die Sägespäne des "round pen" und die Stute folgt mit gesenktem Kopf, sanft wie ein Lamm. "Das ist kein Zauberkunststück", sagt der schlanke Mann ernst, "ich lese einfach die Körpersprache der Tiere. " Mit dem tief in die Stirn gedrückten Stetson, dem blauen Halstuch, der Wildlederjacke und den über die Jeans gestreiften speckig-braunen Überhosen der Rindertreiber scheint er direkt aus Marlboro-Country zu kommen. Doch der Wilde Westen liegt im Westerwald. "Wir sind hier sowas wie eine Sozialstation", grinst der Cowboy lässig und die Haut unter dem Dreitagesbart schlägt tiefe Falten. Magisches scheint hier an der Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz zu geschehen. Weil der 37jährige unreitbare Pferde auf die sanfte Tour wieder auf Trab bringt, pilgern verzweifelte Pferdebesitzer mit ihren seelisch und oft auch körperlich kaputten Rössern aus ganz Deutschland auf den Karlshof in Niedererbach. "Peppy Luna" ist schon seit drei Wochen auf der Ranch, die Stute wurde bei einem Verkehrsunfall im Anhänger schwer verletzt. Mit einer schier unglaublichen Geduld löst Fischer ihre tief sitzende Angst, indem er dem durchgeknallten Pferd wieder absolutes Vertrauen in die Welt gibt. "Ich hole das Erinnerungsmuster an den Unfall aus ihrem Bewußtsein", sagt der Lehrer. Und noch mehr: Er will die jahrtausendealte Erfahrung der Unterdrückung der Pferde durch die Menschen aus deren Gedächtnis löschen. "Damit kann es zu einer neuen Harmonie zwischen Tier und Mensch kommen. " Manchmal legt Fischer erst nach monatelanger gewaltfreier Schulung wieder vorsichtig einen Sattel auf den Rücken der geschundenen Kreaturen: "Ich richte mich hundertprozentig nach dem Rhythmus der Tiere". Um Pferde wieder zu ihren ureigensten Instinkten zu führen, studierte der drahtige Mann aus dem hessischen Limburg jahrzehntelang das Alphabet ihrer Körpersprache. "Würde diese Sprache 100 000 Worte haben, verstünde ich vielleicht 100. Das sind 80 Prozent mehr als die meisten Menschen", sagt er in einem Ton, der erst gar keinen Zweifel aufkommen läßt. Auch die widerspenstigsten Pferde trotten schon nach kurzer Zeit ergeben hinter dem "Leittier" her. Perfekt ahmt Fischer das sogenannte Alpha-Tier nach. Manchmal sind seine Gesten und Handzeichen weich wie die eines Tai Chi-Meisters. Dann bewegt er sich ruckartig, um dem Pferd im round pen den Weg abzuschneiden. Was wie eine Dressurnummer im Zirkus aussieht, ist das Ergebnis absoluter Dominanz und Präsenz. Diese Aura des Selbstbewußtseins, wie Fischer es nennt, haben freilich die meisten Pferdebesitzer nicht. Jetzt lernen die Zivilisationsgeschädigten, die ihr Pferd oft nur als austauschbares Sportgerät sehen, ihre störrischen Vierbeiner zu verstehen. Und so finden sich die naturentwöhnten Städter am Karlshof oft unversehens selbst als Patienten wieder auf einer Roßkur für die Seele. Mit einer Brise Zynismus bringt Fischer es auf den Punkt: "Mein Ziel ist, die Pferde vor den Unzulänglichkeiten ihrer Besitzer zu schützen. " Das ist leichter gesagt, als getan: Daß Problem-Pferde bisweilen nur die Macken ihres Reiters zum Ausdruck bringen, will manchem nicht so richtig in den Sturkopf. Fischer ist sicher, daß Pferde ihre Lektion aus dem gestörten Verhältnis zu ihren Besitzern fünfmal schneller lernen als diese. Es hilft dem ungeduldigen Pferdehalter nur wenig, wenn Fischer seinen wasserscheuen Vierbeiner in Minuten friedlich durch einen Bach traben läßt. "Wer sein eigenes Verhalten nicht ändert und nur eine Show abzieht, darf kein Leittier nachahmen, das Pferd spürt das und kann explosionsartig reagieren", warnt Fischer. Die Hobbyreiter müssen tief in ihre eigene Psyche eintauchen, bevor sie tatsächlich das Glück auf dem Rücken ihrer unbekannten Lieblinge finden können. Manchmal trifft Fischer den Nerv mit einem Satz. "Ihre Haflingertstute glaubt, daß sie die Menschen treibt, in Wirklichkeit wird sie getrieben", sagt er einer Heilpraktikerin aus Kaiserslautern. "Besser könnten Sie mein eigenes Leben nicht beschreiben", stellt die fest. Am Abend zieht Fischer noch mal los, um im Nachbarort nach einer neunjährigen Polenstute zu sehen, die ihre Besitzerin malträtiert. Sobald die vollkommen verängstigte junge Frau in die Nähe der Box kommt, beginnt das Pferd zu steigen. "Die Frau wird lernen müssen", ahnt Fischer nach kurzer Zeit, "wirkliche Autorität in sich selbst zu fühlen und dennoch Respekt vor der anderen Kreatur zu haben. " Im richtigen Umgang mit dem Tier kommt der Mensch seinem innersten Kern näher, das ist die im Zeitgeist liegende Erkenntnis. "Erst über mein Pferd erfuhr ich", gesteht ein Finanzbeamter aus Braunschweig, "wie zaghaft ich in meinem Auftreten bin. " . In seiner Lebensschulung bleut Fischer seinen Klienten neues Selbstvertrauen ein. "Die Mechanik des Reitens ist ein leichtes", sagt er, "doch sie müssen lernen, eine klare Absicht zu signalisieren. " Mentales schafft Reales, diese Sprache verstehen die Pferde. Wie ein Psycho-Guru wirkt Fischer nicht. Er ist ein erdverbundener Cowboy mit Herz, der seinen Traum nie aus den Augen zu verlieren scheint: den Bruch zwischen Mensch und Natur kitten. Um seine Vision zu verwirklichen, warf er seine bürgerliche Existenz in der hessischen Provinz hin und zog als einsamer Reiter in die Buchenhaine des Westerwaldes. Die Familie hat das bis heute nicht verstanden. Aber wenn er auf der Koppel des Karlshofes mit "Little Peppy Coke", einem Sohn des legendärsten Deckhengstes der Welt, Rinder treibt, dann lebt der Weltverbesserer seine ersehnte wilde Freiheit. Nur die Bussarde über dem Westerwald schweben höher als er. Als kleiner Junge hatte Dirk Fischer noch Todesangst vor Pferden. Doch eines Tages kaufte sein Vater einen kaputten Wallach, den der 13jährige jahrelang pflegte. "Da bekam ich den Draht zu den Pferden", erinnert sich Fischer. Noch heute kann er an keinem mißhandelten Roß vorbeigehen, ohne ihm zu helfen. "Irgendeiner muß die Pferde doch vor den Menschen schützen." Wie der weltberühmte Pferdetrainer Monty Roberts Vorbild für den Helden im Hollywood-Kinohit "Der Pferdeflüsterer" will auch der Deutsche Fischer die oft so grausame Unterwerfung des Pferdes durch den Menschen beenden. Daß der von seinen Fans wie ein Mega-Star verehrte 63jährige Kalifornier Roberts diese Botschaft im Stile eines Magiers in der Welt verbreitet, stößt Dirk Fischer aber eher ab: "Roberts reitet bei Werbeveranstaltungen in 30 Minuten ein rohes Pferd ein; das ist für die Zuschauer sicher beeindruckend. Doch es bedeutet nicht, daß der Besitzer des Pferdes jetzt auch damit reiten kann. Monty weckt falsche Hoffnungen, die kontraproduktiv sein können". Für Fischer zählt nur die ganzheitliche Arbeit mit Tier und Mensch. In seiner Welt haben Zirkusnummern und Personenkult keinen Platz, sondern nur geduldige Arbeit und die volle Aufmerksamkeit in jeder Sekunde. Auch da lernt Dirk Fischer nie aus. Kürzlich, als er beim Training einen Moment nicht präsent war, streifte das Hufeisen eines ausschlagenden Pferdes seinen Kopf. "Wenn es mich erwischt", sagt der Pferdeflüsterer mit fester Stimme, "weiß ich wenigstens, daß ich im Leben das Richtige getan habe. "
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